« Du wirst für immer verantwortlich für das, was du gezähmt hast. »
Der kleine Prinz
« Alles, was die Freiheit erhöht, erhöht auch die Verantwortung. »
Victor Hugo
Bestimmt konnten Sie gegen das Ende eines Meetings schon feststellen, wenn Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu verteilen und zu übernehmen sind, dass es auf einmal still wird: Ein « endloses » Warten, bis sich jemand findet, der sich einsetzt und engagiert. Leider hat sich dieses Phänomen in den letzten Jahren sowohl in der Arbeitswelt als auch in Vereinen verstärkt. Tatsächlich steigt mit der Kadenz, der Menge parallel gestarteter Projekte und den Anforderungen der Druck, es kommt zu immer mehr Konflikten und es entsteht ein Ungleichgewicht, das so weit geht, dass die Menschen an ihre Grenzen stossen. Die Arbeit, die Aufgaben, die Kollegen (vor allem manche Vorgesetzte) sind keine Ressource mehr, sondern werden zur Last. So haben die Leute immer weniger einen Blick fürs Ganze und konzentrieren sich auf ihre eigenen Interessen, ihre Person, was das Gefühl der Einsamkeit, Isolation und Hilflosigkeit verstärkt. Ein Teufelskreis entsteht.
Um aus dieser negativen Spirale herauszukommen, gilt es einen positiven Kreislauf einzuleiten. Übernehmen wir Verantwortung: Seien wir die Ersten, die helfen Denken wir an andere, bevor wir an uns selbst denken. Ergreifen wir die Initiative, warten wir nicht darauf, dass jemand anderes es tut. Wenn Sie sich nun sagen: « Aber ich tue doch schon so viel und die anderen tun nichts! », dann übernehmen Sie Verantwortung und sagen Sie: « Nein! » Lesen Sie dazu meinen Artikel zum Thema Mut (Management: Wie man den Mut stärkt!).
Verantwortung
« Verantwortung » meint die Verpflichtung und Bereitschaft, für seine Handlungen einzustehen. Es geht also um das Anerkennen dessen, was man tut oder entscheidet, aber auch für die sich daraus ergebenden Folgen. Dieser Begriff, der sowohl den individuellen als auch den kollektiven Bereich betrifft, ist von zentraler Bedeutung für das soziale, berufliche und ökologische Gefüge. In unserer heutigen Gesellschaft lässt allerdings unschwer die beunruhigende Tendenz beobachten, dass man sich dieser Verantwortung entzieht oder sie zumindest zu minimiert, ein Phänomen mit tiefgreifenden Auswirkungen.
Die Etymologie und der Begriff der Accountability
Im Englischen geht der Begriff « accountability » über das einfache Verantwortlichsein hinaus. Er umfasst die Idee, anderen gegenüber rechenschaftspflichtig zu sein, also über die eigenen Handlungen Rechenschaft ablegen zu müssen. Diese Nuance ist entscheidend: Sie impliziert Transparenz und Offenlegung der eigenen Handlungen, oft vor einem Kollektiv oder einer Hierarchie; «accountable» zu sein, bedeutet, nicht nur gewissenhaft handeln zu wollen, sondern auch für die Ergebnisse der eigenen Entscheidungen voll und ganz einzustehen, egal ob sie gut oder schlecht sind.
Eine Gesellschaft auf der Flucht vor Verantwortung
Heutzutage entziehen sich viele Menschen ohne viel Federlesens der Übernahme von Verantwortung. Dieses Phänomen lässt sich in allerlei Zusammenhängen beobachten: bei der Arbeit, in sozialen Beziehungen und sogar in unserer Beziehung zur Umwelt. Für diese zunehmende Entmündigung gibt es mehrere Ursachen:
- Die Komplexität moderner Systeme: Die sozialen und beruflichen Strukturen sind so komplex geworden, dass sich der Einzelne in einem System mit verwässerten Verantwortlichkeiten verloren fühlen kann. Diese Verwässerung ermöglicht es nicht wenigen, sich hinter der Organisation zu verstecken und so der Verantwortung für ihre Entscheidungen aus dem Weg zu gehen.
- Angst vor dem Scheitern: In einer Welt, in der Erfolg verherrlicht und Scheitern stigmatisiert wird, ziehen es viele vor, keine Verantwortung zu übernehmen, aus Angst, den Anforderungen nicht zu genügen. Diese Angst vor Fehlern führt zu einer Entscheidungslähmung.
- Anonymität und soziale Entkopplung: Die zunehmende Anonymität in unseren Gesellschaften, verstärkt durch digitale Interaktionen, ermöglicht es jedem, sich seiner Verantwortung zu entziehen. Die durch die Technologie geschaffene soziale Distanz entmenschlicht die Beziehungen und verringert das Gefühl des persönlichen Engagements.
Die Folgen allgemeiner Entmündigung
Die Weigerung, Verantwortung zu übernehmen, hat schwerwiegende Folgen. Auf individueller Ebene führt sie zu einem Verlust des Selbstvertrauens und zu einem Gefühl der Passivität. Auf kollektiver Ebene kann sie zu einer Verschlechterung des sozialen Gefüges führen, in dem jeder darauf wartet, dass der andere die Initiative ergreift. In Organisationen führt sie zu zunehmender Ineffizienz, zu internen Konflikten und zur Unfähigkeit, auf ökologische und soziale Herausforderungen zu reagieren.
Die Verantwortung wiederbeleben: ein notwendiges Engagement
Es ist von entscheidender Bedeutung, Verantwortlichkeit als Grundwert in unserem Privatleben, in unseren sozialen Interaktionen und in unserem beruflichen Engagement wiederherzustellen. Dazu bieten sich mehrere Wege an:
- Zum Tragen von Verantwortung anhalten: Von klein auf muss die Erziehung die Dimension des Verantwortens beinhalten. Kindern beizubringen, Verantwortung für ihre Handlungen zu übernehmen, Fehler anzuerkennen und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu verstehen, ist für das Herausbilden verantwortungsbewusster Bürger unerlässlich.
- Wertschätzen des konstruktiven Scheiterns: Wir müssen unsere Sichtweise auf das Scheitern ändern. Anstatt es zu stigmatisieren, ist es als Lernmöglichkeit wahrzunehmen. Dieser Ansatz entlastet die Entscheidungsfindung und fördert die Initiative.
- Transparenz und Verantwortlichkeit fördern: In Organisationen und Unternehmen ist es von entscheidender Bedeutung, eine Kultur zu fördern, in der jeder für sein Handeln Rechenschaft ablegt. Dies erfordert klare Verantwortlichkeitsstrukturen, in denen Erfolge und Misserfolge transparent gemacht und geteilt werden.
- Gemeinschafts- und Umweltengagement: Die Menschen wieder mit ihrer Gemeinschaft und ihrer lokalen Umgebung zu verbinden, vermag das Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Die aktive Teilnahme an Gemeinschafts- oder Umweltprojekten schafft eine direkte Verbindung zwischen persönlichem Handeln und kollektiven Auswirkungen.
Schlussfolgerung
Verantwortung zu übernehmen, bedeutet, zu akzeptieren, dass man ein Akteur im eigenen Leben und in der Gesellschaft ist. In einer Welt im ständigen Wandel, die vor zahlreichen Herausforderungen steht, ist es notwendiger denn je, diesem Wert Genüge zu tun. Ob im privaten Bereich, bei unserem sozialen Engagement oder in Organisationen: Verantwortung ist der Kitt, der es uns ermöglicht, eine nachhaltige und harmonische Zukunft aufzubauen. Indem wir jeden Einzelnen ermutigen, die volle Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, können wir gemeinsam die Herausforderungen von morgen bewältigen.
Kurz gesagt, bedeutet verantwortlich sein in der heutigen Zeit, die Konsequenzen der eigenen Handlungen, Entscheidungen und Wahlmöglichkeiten vollumfänglich zu tragen, sowohl im persönlichen als auch im beruflichen und sozialen Leben. Dies setzt ein Bewusstsein für die Auswirkungen dieser Handlungen auf sich selbst, auf andere und auf die Umwelt sowie die Bereitschaft voraus, Rechenschaft über diese Handlungen abzulegen. In einem zeitgenössischen Kontext zeigt sich dies in mehreren Dimensionen:
- Entscheidungen in voller Kenntnis der Sachlage treffen: Verantwortung zu übernehmen bedeutet, Entscheidungen zu treffen, bei denen man sich der möglichen positiven wie negativen Auswirkungen bewusst ist. Dies erfordert ethisches Denken und die Fähigkeit, kurz- und langfristige Konsequenzen vorwegzunehmen.
- Die Konsequenzen seines Handelns tragen: Das bedeutet, sich seiner Verantwortung auch bei Misserfolgen oder Schwierigkeiten nicht zu entziehen. Es geht darum, Fehler einzugestehen, aus ihnen zu lernen und gegebenenfalls Korrekturmassnahmen zu ergreifen.
- Verantwortlich, «accountable» sein: Im angelsächsischen Sinne geht es dabei um mehr als nur um passives Akzeptieren. Es geht darum, anderen gegenüber Rechenschaft abzulegen, sei es gegenüber einer Hierarchie, einem Team, einer Gemeinschaft oder der Gesellschaft. Dies impliziert Transparenz und Ehrlichkeit im eigenen Handeln.
- Zum Gemeinwohl beitragen: Verantwortungsbewusstsein kann sich nicht auf die individuelle Ebene beschränken. Es bedeutet auch, die eigene Rolle in der Gesellschaft zu verstehen und so zu handeln, dass man mit ökologischem, sozialem und bürgerschaftlichem Engagement einen positiven Beitrag leistet.
- Zuverlässigkeit beweisen: Verantwortungsbewusste Menschen gelten als vertrauenswürdig. Sie halten ihre Versprechen und sind konsequent in ihrem Handeln.
- Sich aktiv engagieren: Verantwortungsbewusst zu sein, bedeutet heute nicht zuletzt, sich aktiv für die Herausforderungen unserer Zeit einzusetzen, sei es für den Umweltschutz, für soziale Gerechtigkeit oder für nachhaltige Entwicklung.
Kurz gesagt, heutzutage verantwortungsbewusst zu sein, bedeutet, ein bewusster und engagierter Akteur im eigenen Leben und in der Welt um uns herum zu sein, der erkennt, dass unser Handeln Auswirkungen hat und dass wir dafür zum Wohle aller Verantwortung übernehmen müssen.
« Verantwortung ist der Preis der Freiheit »
Cyrille Guimard